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DIW Wärmemonitor: Deutsche Haushalte heizen in der Pandemie weniger, sind für die Energie- und Klimakrise aber noch nicht gerüstet

Pressemitteilung vom 26. Oktober 2022

Heizenergiebedarf in Deutschland sinkt in Pandemiejahren 2020 und 2021 – CO2-Emissionen gehen aber nicht ausreichend zur Erfüllung der Klimaziele zurück – In der aktuellen Energiekrise muss mehr langfristig in Energieeffizienz investiert werden, um Haushalte zu entlasten und Klimaziele zu erreichen

In den Pandemiejahren 2020 und 2021 haben deutsche Haushalte trotz vermehrtem Homeoffice temperaturbereinigt weniger geheizt und haben weniger für Heizenergie ausgegeben. Die klimaschädlichen Kohlendioxid(CO2)-Emissionen sind temperaturbereinigt nur leicht um ein beziehungsweise drei Prozent gesunken; zur Erreichung der Klimaziele hätten sie deutlich stärker zurückgehen müssen. Dies sind die zentralen Ergebnisse des Wärmemonitors für die Jahre 2020 und 2021, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis der Daten des Immobiliendienstleisters ista berechnet. Sie basieren auf den Heizkostenabrechnungen von circa 250.000 Mehrparteienhäusern in Deutschland.

© DIW Berlin

„Der Rückgang des Heizenergiebedarfs in der Pandemie hat uns überrascht. Schließlich waren über beide Jahre die Menschen aufgrund von Homeoffice, Lockdowns und Kurzarbeit mehr zu Hause. Dennoch ist temperaturbereinigt rund ein Prozent weniger geheizt worden“, berichtet DIW-Ökonomin Franziska Schütze. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Gebäudesektor trotz eines leichten Rückgangs nach wie vor zu viel Kohlendioxid emittiert.“

In den vergangenen zehn Jahren sind die CO2-Emissionen in den untersuchten Zwei- und Mehrfamilienhäusern temperaturbereinigt um 7, 3 Prozent zurückgegangen. Um die deutschen Klimaziele zu erfüllen, reicht der Rückgang aber nicht. Zur Erreichung der Sektorziele des Klimaschutzgesetzes für das Jahr 2030 wären im Gebäudebereich jährliche Emissionsminderungen von fünf Millionen Tonnen CO2e nötig, was rund vier Prozent der Emissionen des Jahres 2020 entspricht. Mehr Anstrengungen zur CO2-Einsparung sind also dringend nötig.

„Der Rückgang des Heizenergiebedarfs in der Pandemie hat uns überrascht. Schließlich waren über beide Jahre die Menschen aufgrund von Homeoffice, Lockdowns und Kurzarbeit mehr zu Hause“ Franziska Schütze

In den von ista betreuten Gebäuden wurden in den vergangenen beiden Jahren ein Prozent der Heizungsanlagen ausgetauscht und weitere Gebäudesanierungen vorgenommen. „Haushalte in sanierten Gebäuden haben in Zeiten explodierender Energiepreise eine bessere Ausgangsposition. Aber auch bewusstes Heizen und Lüften sind entscheidend, damit die Effizienzgewinne und damit die Kostenentlassung tatsächlich eintreten“, so ista-Chef Hagen Lessing.

Energiekrise bringt neue Herausforderungen

Die Heizenergiebedarfe und -ausgaben sind regional sehr unterschiedlich. Der Westen Deutschlands verbrauchte in den vergangenen beiden Jahren temperaturbereinigt im Schnitt knapp neun Prozent mehr Heizenergie als der Osten Deutschlands. Wie schon in den Vorjahren wird am meisten im Südwesten Schleswig-Holsteins sowie in Ost-Friesland und am wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern bei Rostock geheizt.

Die Energiekrise erhöht nun den Druck, Heizenergie zu sparen. „Die hohen Heizkosten werden viele private Haushalte stark belasten. Zwar versucht die Regierung gegenzusteuern. Doch neben diesen kurzfristigen Entlastungen sind jetzt verstärkt langfristige Investitionen notwendig, wie energieeffiziente Gebäudesanierungen und Heizungswechsel, vor allem zu erneuerbaren Energien“, schlussfolgert Studienautorin Schütze. „Dies wäre im Sinne der privaten Haushalte und des Klimaschutzes gleichermaßen.“ 

Franziska Schütze

Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Klimapolitik

Mats Kröger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Klimapolitik

Till Köveker

Doktorand in der Abteilung Klimapolitik

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