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"Geldpolitik kann Inflation nur begrenzt steuern"

Medienbeitrag vom 23. November 2021

Die Inflation kehrt zurück, und zwar mit Wucht. Doch wie groß ist die Inflationsgefahr wirklich? Ein Streitgespräch zwischen dem Frankfurter Wirtschaftsprofessor Volker Wieland, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, und Marcel Fratzscher.

Dieses Streitgespräch erschien am 23. November 2021 im Handelsblatt

Herr Fratzscher, die Inflation ist mit 4,5 Prozent so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr, die Bundesbank rechnet sogar kurzfristig mit sechs Prozent. Ist das der Beginn eines neuen Inflationsregimes?

Marcel Fratzscher: Ich kann nicht in die Zukunft schauen. Die Zahlen, die wir jetzt sehen, sind aber erst einmal kein Grund zur Sorge. Die Preisentwicklung war durch die Coronakrise 2020 schwach, jetzt gibt es Nachholeffekte. Hinzu kommen vorübergehende Effekte durch Lieferengpässe und hohe Energiepreise. Außerdem hat sich die Nachfrage verschoben, weg von Dienstleistungen, hin zu Gütern. Die große Frage ist, ob diese Zahlen die Inflationserwartungen erhöhen. Das ist ein reales Risiko, das zugenommen hat, gar keine Frage. Im Augenblick gibt es jedoch einen breiten Konsens an den Kapitalmärkten, dass eine zu geringe Preissteigerung wahrscheinlicher ist als eine zu hohe über die nächsten fünf Jahre.

Volker Wieland: Es gibt nicht nur einzelne Nachfrageverschiebungen und Knappheiten, sondern das allgemeine Preisniveau steigt. Ich habe bereits im Januar gesagt, dass ein deutliches Risiko besteht, dass die Inflation dieses Jahr höher als erwartet ausfällt. Da stand ich noch ziemlich alleine da. Aber inzwischen sehe ich mich bestätigt. Ob wir längerfristig höhere Inflationsraten haben werden, wird an der Geldpolitik liegen – und die ist im Euro-Raum weiterhin sehr locker.

Das vollständige Interview können Sie auf der Handelsblatt-Webseite lesen.

Themen: Geldpolitik

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