Direkt zum Inhalt

Kann guter Verbraucherschutz finanzielle Bildung ersetzen?

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 1 / 2021, S. 125-137

Sally Peters, Hanne Roggemann

get_appAufsatz Download (Verlag)

Abstract

Finanzdienstleistungen werden im Regelfall zwischen Parteien mit einem ungleichen Status abgeschlossen. Diese Ungleichheit resultiert aus der Informationsasymmetrie und der Entscheidungshoheit über die angebotene Produktpalette. Dies beschränkt die Verhandlungsmacht auf Seiten der Verbraucherinnen und Verbraucher. Durch finanzielle Bildung kann ein Beitrag geleistet werden, um Informationsasymmetrie zu reduzieren. Auf Seiten des Verbraucherschutzes begegnet der Gesetzgeber dieser Ungleichheit mit Regulierungen im Bereich der Informations- und Beratungspflichten. Kritisch bleibt aber, dass durch die Entscheidungshoheit über die angebotene Produktpalette, gerade für verwundbare Verbraucherinnen und Verbraucher, die womöglich hinsichtlich ihres Geldbedarfs unter einem besonderen Leidensdruck stehen, das Angebot im Bereich der Finanzdienstleistungen beschränkt ist. Insofern müssen finanzielle Bildung und Verbraucherschutz hier Hand in Hand gehen, um zu vermeiden, dass die Ungleichheit in der Verhandlungsmacht zu Überschuldung und unverhältnismäßigen Zugangsbeschränkungen führt. Finanzieller Allgemeinbildung im Kontext des sozialen Verbraucherschutzes kommen insofern vielfältige Funktionen zu. Sie müssen soziale Problemlagen und den Umgang mit Lebensrisiken einbeziehen, sie bedürfen eines Grundlagenverständnisses und einer Sensibilisierung für die eigene Einstellung zu Geld und sie sollten die Fähigkeit und Bereitschaft zur Vertretung eigener Interessen fördern.

Typically, financial services are contracted between parties with an unequal status. This inequality results from information asymmetry and the one-sided decision-making authority over the range of products offered. It thus limits the bargaining power on the part of consumers. Financial education can help reduce such information asymmetry. On the consumer protection side, legislators are countering this inequality with regulations regarding information and advisory duties. However, it remains problematic that due to the decision-making authority over the product range offered, particularly vulnerable consumers can only access a limited range of financial services. At the same time, these consumers may already be under extreme pressure in terms of their monetary needs. Therefore, financial education and consumer protection are both crucial tools to avoid inequality in bargaining power, and consequently over-indebtedness and disproportionate restrictions on access. In this respect, general financial education in the context of social consumer protection has multiple functions. It must include social contexts and how to deal with life risks, it requires a basic understanding and awareness of one’s own attitude toward money, and it should promote the ability and willingness to represent one’s own interests.



JEL-Classification: G51;G53
Keywords: consumer protection, financial education, over-indebtedness, debt advice
DOI:
https://doi.org/10.3790/vjh.90.1.125

keyboard_arrow_up